III. Vom Opernturm zur Westarkade entlang der Bockenheimer Landstraße

Westend‑Konflikt und Hochhausbau
Icon der Führung. Opernturm vor BHF‑Bank‑Hochhaus, 2018.

Von 1496 bis 1807 markierte die Bockenheimer Pforte, ein städtisches Haupt‑ und Zolltor, den Ausgangspunkt des Weges zum im Jahr 1895 eingemeindeten Bockenheim. Der Weg aus dem die 1.600 Meter lange Bockenheimer Landstraße erwuchs, das Herz des gründerzeitlich geprägten Frankfurter Stadtteils Westend.

Die erste bekannte Bebauung auf dem Gelände des heutigen Opernturm‑Ensembles war Anfang des 17. Jahrhunderts eine hölzerne Kirche der Calvinisten. Das Areal kam im 19. Jahrhundert in den Besitz der Bankiersfamilie Rothschild. Der Bau des 68 Meter hohen Zürich‑Hauses an dieser Stelle 1960, des ersten Frankfurter Hochhauses in Form einer „Kiste“, war der Auftakt der Entwicklung des Westends zum heutigen City‑Erweiterungsgebiet. Dazu ein Zitat des 2008 emeritierten Professors für Gestaltung und Architekturtheorie an der Universität Siegen Ulf Jonak: „Eine der ersten Handlungen in Zeiten des Goldrausches ist es, Pflöcke in den Boden zu rammen, Markierungsstäbe also, die voraussichtlich gewinnträchtige Areale abstecken, womöglich den Verlauf von Goldadern kennzeichnen. Ein bildhaftes Geschehen, übertragbar auf die Frankfurter Szenerie zu Beginn der sechziger Jahre.“

Nachfolgebauwerk des Zürich‑Hauses ist der 2009 unter dem Architekten Professor Christoph Mäckler fertiggestellte 170 Meter hohe Opernturm. Beim Opernturm verwendeten die Ingenieure erstmals im Hochhausbau den hochfesten Betonstahl SAS 670/800. Die hellgelb‑beige Natursteinfassade besteht aus portugiesischem Kalkstein mit dem klangvollen Namen „Creme Royal“.

Ein weiterer Haltepunkt der Stadtführung ist der gläserne und leicht verdrehte Doppelturm des WestendDuos von den Frankfurtern KSP Engel und Zimmermann Architekten. Das WestendDuo aus dem Jahr 2006 entstand auf dem Areal des zuvor niedergelegten Hochtief‑Hauses des Architekturprofessors Egon Eiermann. Förder‑ und Schluckbrunnen reichen dort 140 Meter tief in den Frankfurter Kalkstein. Grundwasser, mit einer ganzjährigen Temperatur von 18 bis 21 Grad Celsius, sorgt über Wärmetauscher und im Winter über zusätzliche Wärmepumpen für angenehme Temperaturen in den Gebäuden.

Schwerpunkt der Stadtführung ist der Westend‑Konflikt der 1960er und 70er Jahre. Der Westend‑Konflikt mit der Verdrängung angestammter Bevölkerungsteile und dem Einzug des tertiären Sektors, Spekulation, baulichem Verfall und Hochhausbau ist äußerst vielschichtig. Investoren erhielten an Bedingungen geknüpfte Befreiungen nach Paragraph 31 des Bundesbaugesetzes (jetziger Titel: Baugesetzbuch), mit denen sie die im geltenden Bebauungsplan gültigen Geschossflächenzahlen weit übertreffen konnten. Der Fingerplan von 1968 war im städtebaulichen Chaos der damaligen Zeit ein erster Ordnungsversuch, der entlang von Ausfallstraßen und Linien des Schienenverkehrs Verdichtungsachsen mit Hochhäusern für Büronutzung vorsah. Bis zur Verabschiedung eines Bebauungsplans für das Westend 1977 wurden für rund 150 Objekte Befreiungen genehmigt.

Im Westend kam es 1970 zu den ersten Hausbesetzungen der Republik. Der aus vier Patrizierhäusern bestehende „Block“, gelegen an der Ecke der Bockenheimer Landstraße zur Schumannstraße, galt als Zentrale der Hausbesetzer. Zu den Besuchern der Häuser gehörten prominente Beteiligte der sogenannten „Putzgruppe“. „Putz“ stand in Frankfurt für Randale. Scherzbolde in der Szene kolportierten, es sei eine Abkürzung für „Proletarische Union für Terror und Zerstörung“.

Den Abschluss der Stadtführung entlang der Bockenheimer Landstraße bildet die 59 Meter hohe Westarkade, das „Farbstrichgebirge“ der Kreditanstalt für Wiederaufbau der Architekten Sauerbruch Hutton. In der dynamisch geregelten Druckringfassade, einer Fassade mit einem 70 Zentimeter breiten Zwischenraum, wird in Abhängigkeit von Windrichtung, Winddruck und ‑differenzen, Temperatur und Sonneneinstrahlung ein leichter Überdruck erzeugt. Ziel ist es, unerwünschte Luftströme zu minimieren. Das Bauwerk erhielt vom „Rat für Hochhäuser und städtischen Lebensraum“ im Jahr 2011 den Preis für das beste Hochhaus der Welt.

Aufgrund der Corona-Pandemie finden die Führungen unter Einhaltung der gegenwärtig geltenden Abstands- und Hygieneregeln statt.

Schutz- und Hygienekonzept

Gruppenführungen

Treffpunkt:
Dauer:
Je nach Wunsch 2 bis 3 Stunden.
Honorar:
Bis 10 Gäste:
11–20 Gäste:
21–30 Gäste:
75 
100 
125 
Euro pro Stunde,
Euro pro Stunde,
Euro pro Stunde.
Beispiel: Eine Gruppenführung für 15 Gäste über eine Dauer von 2 Stunden kostet somit insgesamt 200 Euro.

Alle Preise enthalten die gesetzliche Mehrwertsteuer in Höhe von 16 Prozent. Eventuell fällige Eintrittspreise und Zusatzleistungen sind in den Honoraren nicht inbegriffen. Zur Zeit können Sie gebuchte Gruppenführungen per Vorkasse beziehungsweise Rechnung bezahlen.

Zur Berücksichtigung der Abstandsregeln während der SARS‑CoV‑2‑Pandemie ist die Teilnehmerzahl bis auf Weiteres auf 10 Personen begrenzt.
Buchung:
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Icon der Führung. Opernturm an der Bockenheimer Landstraße, 2018.